Bertelsmann Stiftung
KECK: Kommunale Entwicklung - Chancen für Kinder

Am 27.03.2017 trafen sich die AUDIT- und KECK-Kommunen zum gemeinsamen Netzwerktreffen in Düsseldorf. Diesmal mit dem Themenschwerpunkt „Jugendbeteiligung“. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche und Beatrix Schwarze, Geschäftsführerin des Vereins Familiengerechte Kommune, begrüßten die fast 50 Teilnehmenden aus sieben Bundesländern.

Zu Beginn ging es um aktivierende Methoden der sozialraumorientierten Bedarfsanalyse mit Kindern und Jugendlichen. In Vertretung für die verhinderte Christina Muscutt stellte Nora Jehles vom Verein Familiengerechte Kommune die Methoden vor. In der Forschungsstelle für sozialraumorientierte Praxisforschung und Entwicklung (FSPE), in der Muscutt tätig ist, liegen viele Erfahrungen in der Entwicklung, Durchführung und Begleitung von Praxisforschungsprojekten in diesem Bereich vor, viele auch zum Nachlesen http://www.sozialraum.de/.

Gelebte Beteiligung in der Stadt Düsseldorf

Im Anschluss gab Jugendamtsleiter Johannes Horn einen Überblick über aktuelle Beteiligungsprojekte und erläuterte den Stellenwert des Themas in der Landeshauptstadt. Die Eröffnung eines Familienbüros sei geplant. Das habe man sich ganz im Sinne des „voneinander Lernens“ u.a. in Görlitz abgeschaut, wo beim letzten Netzwerktreffen ein Besuch des dortigen Familienbüros auf dem Programm stand. Weiter berichtete Horn von dem integrierten Handlungskonzept Garath 2.0, mit dem die Stadt den Stadtteil Garath besser in die positive Entwicklung der Gesamtstadt integrieren will. Bestandteil des zu Grunde liegenden Stadtratsbeschluss sei auch, dass „alle Planungsprozesse und Projekte zur Stadtteilentwicklung zukünftig unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern weiter entwickelt werden.“, so Horn weiter. Michael Hein, Koordinator der Kinder- und Jugendförderung im Jugendamt und Kaya Sonntag vom Jugendrat stellten vor, was in dem Projekt bereits in puncto  Beteiligung  gelaufen ist. In Garath nahmen über 100 Grundschüler ihren Stadtteil unter die Lupe und identifizierten beliebte und unbeliebte Orte. Bei einer Kinderversammlung wurden dem Oberbürgermeister die Ergebnisse vorgestellt und Handlungsmöglichkeiten diskutiert. Und Kaya Sonntag beschrieb, wie Jugendliche mit einem Crossgolf Turnier den Stadtteil erkundet haben. Die Jugendlichen hätten sie sich vor allem mehr Freizeitmöglichkeiten im Stadtteil gewünscht.

Danach  wurde das Düsseldorfer Netzwerk zur Bekämpfung und Verhütung von Jugendkriminalität vorgestellt. Die Vorstellung übernahmen  Frank Schier, der Jugendbeauftragte des Polizeipräsidiums Düsseldorf und Manfred Brüggemann, Leiter der Jugendhilfe im Strafverfahren der Stadt Düsseldorf. Weitere Kooperationspartner sind die Staatsanwaltschaft und freie Träger. Durch ein frühes Erkennen gefährdeter Kinder und Jugendlicher und eine zeitnahe angemessene Reaktion soll erneute Straffälligkeit verhindert werden. Aufgrund der zu verzeichnenden Erfolge entwickeln die Kooperationspartner derzeit ein Konzept für ein Haus des Jugendrechts.

Der Familientisch künftig Drehscheibe im Erhaltungszertifikat

Thomas Feldmann und Catrin Taute von der Stadt Düsseldorf und Petra Wackers vom Düsseldorfer Familientisch berichteten vom  Prozess zur Familiengerechten Kommune  im Rahmen des Audits sowie den Perspektiven der Familiengerechten Kommune Düsseldorf zum dauerhaften Erhalt des Zertifikats. Der Düsseldorfer Familientisch ist die Drehscheibe hierbei und ermöglicht die Partizipation von Vertretern der freien Träger, Unternehmen, Vereine und Verbände in Zusammenarbeit mit den beteiligten Fachämtern. Gemeinsam setzen sich die inzwischen über 100 verschiedenen Akteure „mit Familien für Familien“ ein, so Wackers zum Leitmotiv des Familientisches. Aktuell gehe es beispielsweise darum, den Kita-Navigator zu einem  Familiennavigator weiter zu entwickeln und darum die Angebote der Kindertagespflege zu erweitern, und gemeinsame Internetauftritte der Familien- und Erziehungsberatungsstellen sowie der Familienbildung zu initiieren.

Neues vom KECK-Atlas

Hanna Münstermann und Nora Jehles stellten abschließend Neuerungen im KECK-Atlas vor.  Der Online-Atlas wird in immer mehr Kommunen von mehreren Fachbereichen benutzt. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen wurde KECK umbenannt. Es steht nicht mehr ausschließlich für „Kommunale Entwicklung – Chancen für Kinder“ sondern für „Kommunale Entwicklung – Chance zur Kooperation“. In einem neuen KECK-Flyer sind die wichtigsten Informationen zu dem Instrument beschrieben. Er ist online abrufbar und kann bei der Bertelsmann Stiftung und dem Verein Familiengerechte Kommune bestellt werden. Bisher wird der KECK-Atlas von den Kommunen überwiegend für interne Zwecke genutzt. Einige Kommunen nutzen aber bereits die neue Möglichkeit zum Anlegen verschiedener Ansichten, mit denen der Nutzer durch den KECK-Atlas geführt werden kann. Auf den Startseiten der Städte Hagen und Sundern und im öffentlichen Atlas des Landkreises Osnabrück finden interessierte Nutzer „Infos und Hilfen“ etwa mit Antworten auf häufig gestellte Fragen wie "Wie kann ich die räumliche Ebene verändern?" oder "Wo kann ich Daten auswählen?". Nora Jehles stellte abschließend die Möglichkeit des KECK-Atlas vor, Points of Interest (POIs) abzubilden. Einige KECK-Kommunen nutzen die Funktion bereits und bilden Angebote wie Kindertageseinrichtungen, Schulen oder  Beratungsstellen für Familien ab. Zusätzlich können die POIs mit Informationen wie z.B. Öffnungszeiten oder Kontaktdaten hinterlegt werden. Außerdem ermöglicht der KECK-Atlas nun auch die Darstellung von statistischen Werten für einzelne POIs. Als Beispiel wurde gezeigt, wie sich der Anteil der ausländischen Schüler zwischen den einzelnen Schulen unterscheidet. Dadurch können Unterschiede deutlicher dargestellt werden, als auf der Ebene des Sozialraumes und z.B. Projekte und Fördermittel bedarfsgerechter gesteuert werden.

Im Anschluss an die Praxisbeispiele fand ein Austausch zu den  Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in ihren Kommunen statt. Der Austausch zeigte, dass in den  Kommunen Kinder und Jugendliche beteiligt werden, sei es durch ein politisches Gremium wie einen Jugendrat oder ein Jugendparlament, zum Teil mit eigenen Budgets sowie Befragungen oder Zukunftswerkstätten zur Bedarfserhebung und Projektentwicklung. In der Diskussion wurde deutlich, dass Beteiligung zwar auf politische Rückendeckung und notwendige Ressourcen angewiesen ist, aber ganz wesentlich auch eine Haltung erfordert, die sich darin zeigt, dass das Votum der Beteiligten und deren Anregungen ernst genommen werden und transparent gemacht wird, wie sie in den weiteren Planungsprozess einfließen.

20. April 2017

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